Schnee im August

Während wir einen kühlen Sommer genießen, steigen die Temperaturen andernorts auf über 35 Grad – zum Beispiel auf 40 Grad in Tokio. Da wünscht man sich fast, es würde ein paar Tage lang schneien …

Gerade ist ein Artikel über meine Chor-Komposition Schnee in der Zeitschrift Sprachkunst – Beiträge zur Literaturwissenschaft erschienen. Der Titel:
„Was macht der Schnee im Gedicht? Beispielanalyse von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart“, herausgegeben von Christine Frank.

Die Musikwissenschaftlerin und Japankennerin Imke Misch hat meine Arbeit darin sorgfältig analysiert – und auch meinen Werdegang beschrieben.

Musikwissenschaftler lesen Noten anders als Komponisten. Wenn ich komponiere, schreibe ich vieles intuitiv nieder. Erst nach der Fertigstellung lese ich meine eigenen Noten und stelle fest, dass die Klänge koexistieren – oft ohne bewusste Begründung.

Beim Lesen ihrer Analyse entdecke ich in meinen eigenen Noten Dinge, die mir vorher verborgen blieben. Es ist faszinierend, wie Musikwissenschaftler Strukturen und Zusammenhänge erkennen, die ich beim Schreiben nicht geplant habe – die aber dennoch stimmen.
Fast so, als würde mir jemand erklären, was ich eigentlich sagen wollte. Die Musik bekommt dadurch eine zusätzliche Ebene: einen Spiegel, der auch mich als Komponist überrascht. Die Noten, die ich schreibe, müssen so sein – so habe ich es gespürt, so habe ich es festgelegt. Warum das so ist, kann ich oft nicht begründen. Aber Musikwissenschaftler können es sichtbar machen. Und das ist beeindruckend.

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