Nachtstaub

Gegenteil zur Vokalkomposition ist das Komponieren eines Streichquartetts; eine einsame, geduldige Arbeit. Ohne Text heißt: Die Komposition kennt kein Ende.

Im Sommer 2016 war ich als Artist in Residence bei Thomas Bernhard Haus in Ottnang. Ich wollte dort die Komposition eines Streichquartetts beginnen. Ein großes Dachzimmer des Bauernhauses im Mitten einem kleinen Wald war das Studio. Jede Nacht sah ich Tausende von Sternen und hörte das Geräusch von fallendem Staub. Das ist der Name des Streichquartetts Nr. 3 „Nachstaub“. Die Arbeit kam überhaupt nicht voran. Die Kühe waren nirgends zu sehen. Sie waren im Stall eingesperrt. Es war ein herrlicher Sommer in Ottnang und die Kühe schauten aus ihrem Stall auf die grünen Wiesen. Mich quälte die völlige Einsamkeit und der Gedanke an die armen Kühe. Die Fertigstellung des Streichquartetts dauerte drei Jahre.

Nun vertraut das Schweizerische Streichquartett Kubus Kollektiv, mein verworrenes Stück zu realisieren. Die Arbeit muss eine Art der Rätsel-Lösung sein. Ich habe Hochachtung vor den vier jungen Damen.

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